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feindliche Übernahme (nicht)

Mit dem Begriff der „feindlichen Übernahme“ bezeichnen in der Regel Manager eines Unternehmens die Handlung eines Investors, der beabsichtigt, dieses Unternehmen zu kaufen, und sich zu diesem Zweck direkt an die Eigentümer des Unternehmens (in der Regel mit einem öffentlichen Übernahmeangebot) wendet, ohne vorher die Einwilligung des Übernahmekandidaten eingeholt zu haben.

Quelle: Wikipedia

Als Aussenstehender würde man die Migration des Biblithekssystems der Freien Universität Berlin in den Bayerischen Bibliotheksverbund (BVB) als eine feindliche Übernahme betrachten. Als Interner aber weiß man: die Aktion hat die FU angezettelt. Besagte schrie nähmlich ganz laut „JA, NIMM MICH!“ und tat es damit der HU, der TU und der UdK gleich. Und damit haben die sich jetzt so richtig in den Hintern gebissen.

Sämtliche akribische Katalogisierungsarbeit, bei der man einen Anschiss bekommen hat, wenn man für eine Ausgabe des Buches mit anderem Verlag keine extra Titelaufnahme anlegt, ist für den Ars**. Die FU gliedert sich in den BVB ein und hat sich damit zu unterwerfen. Der Dublettencheck (Dubletten = doppelte Titelaufnahmen) erfolgt nach der BV-Nummer, die sich automatisch einspielt, wenn man aus dem BVB eine Fremddatenübernahme macht. Ist diese Nummer im Katalogisat der FU vorhanden, werden die daran hängenden Exemplare an das ursprüngliche Katalogisat im Bayerischen Verbund gehängt. Und da ist das Problem. Die Bayern können kaum vernünftige Titelaufnahmen anlegen. Sie schiessen sich selbst manchmal bis zu drei Dubletten, machen die Aufnahmen nicht regelkonform oder absolut unvollständig.  Die Katalogisierer der FU korrigieren diese dann bei der Fremddatenübernahme massiv und im Endeffekt ist doch wieder die Aufnahme aus Bayern dominierend und die ganze Arbeit in Berlin war umsonst. Klar, man kann jetzt sagen: „Dann lösch doch einfach die BV-Nummer, dann kann man den Originalsatz im BVB nicht finden!“ Das stimmt auch. Aber der Dublettencheck läuft auch über ein paar andere Felder in der Titelaufnahme. Stimmen diese Kategoriefelder überein, wird der FU-Satz wieder gelöscht und die Exemplare an die bayerische Aufnahme angehängt. Und das sind nicht viele Felder, die als Kriterien herangezogen werden. Es handelt sich lediglich um das bereits erwähnt Feld für die BV-Nummer, das Verfasserfeld, der Titel, das Erscheinungsjahr und der Verlag. Fünf Felder aus wie vielen? 50? 100? Fünf Felder sind einfach kein Maßstab! Aber das kapieren die Leute, die das organisieren wohl nicht. Denen ist nur wichtig, dass alles schnell über die Bühne geht. Vieles, was die Angestellten und Beamten der FU in ihrer Ausbildung über die Katalogisierung gelernt haben, ist überflüssig, wenn in ein paar Monaten die Migration vollzogen ist. Die RAK (Regeln für die Alphabetische Katalogisierung) sind dann auch nur noch Nebensache, wenn man sich die bisherigen Aufnahmen der Bayern anschaut. Ich bin ja fast vom Glauben abgefallen, als ich hörte, dass dann auch die Funktionsbezeichnung des Verfasserfeldes wegfällt. Ob da nun ein Herausgeber oder ein Übersetzer steht, ist dann nicht mehr am Katalogisat und für den Benutzer ersichtlich.

Aber von diesen fachlichen Sachen mal abgesehen, hält es die UB-Leitung mit de Informationspolitik wie die große Schwester, die Landes- und Bundespolitik: Die Untergebenen so wenig wie möglich wissen lassen, um Proteste zu vermeiden.

Die Beschäftigten der UB (Universitätsbibliothek) wissen schon seit Monaten über die oben beschriebenen Änderungen bescheid, die Leiter der Katalogisierungsabteilungen der Fachbereichsbibliotheken werden nur nach und nach und auch nur in beschiedenem Umfang davon in Kenntnis gesetzt. So können diese nicht wirklich mitdiskutieren und stehen am Ende vor vollendeten Tatsachen.

Gespannt können wir also darauf warten, dass sich das Bibliothekssystem der FU Berlin in diesem Frühjahr in den BVB intergiert und ob dann die Fachbereichsbibliotheken endlich den Aufstand proben.

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