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Menschen und Typen im Zug

Weihnachten. Die angeblich schönste Zeit des Jahres. Für mich nicht unbedingt. Ich sehe meine Eltern und bekomme Geschenke, das ist gut. Ich muss nach Hamburg fahren und Geschenke für andere kaufen, das ist eher weniger gut. Und ich muss Menschen, die mir viel bedeuten, in Berlin zurück lassen, das ist gar nicht gut.

Nun ja, jetzt sitze ich hier im Zug und beobachte die Menschen. Draußen sieht’s aus wie immer, wenn ich fahre. Leider gibt es dieses Jahr keine winterlichen Schneelandschaften, zumindest noch nicht. Es ist sogar etwas neblig, also sieht man noch weniger.
Aber zurück zu den Menschen. Mein Abteil ist voll. Der ganze Zug ist voll. Eigentlich zu voll. Aber das habe ich erwartet und mir wie immer eine Platzreservierung gegönnt. Und wer teilt sich mit mir das Abteil? Ganz unterschiedliche Menschen sitzen hier und grübeln, warum die Zugbegleiterin eben eine Durchsage gemacht hat, bei der sie nach jemanden fragte, der vietnamesisch spricht.
Zum einen haben wir die beiden jungen Männer, die einmal quer durch Deutschland fahren. Der eine ist Inder, liest die ganze Zeit und unterhält sich nur ab und zu auf Englisch mit seinem Mitreisenden, der gebürtiger Deutscher zu sein scheint, den man aber um sein perfektes Englisch nur beneiden kann. Beide sind sehr nett und höflich.
Mir gegenüber sitzt die Dame in den Vierzigern, die sich aber noch wesentlich jünger fühlt, weswegen sie alle, die jünger aussehen als sie, automatisch mit „du“ anspricht. Sie hat sich keine Beschäftigung für die Fahrt mitgebracht und vergreift sich daher an der herumliegenden Zeitung.
Die ältere Dame, die ebenfalls im Abteil sitzt, hat ebenfalls nichts dabei, ist aber auch nicht gewillt, sich an der Zeitungsfledderei zu beteiligen. Muss sie auch nicht, sie steigt eh als erste wieder aus.
Und dann gibt es noch ihn. Er ist auf gut Glück in den Zug gestiegen, hat keine Reservierung. Er ist stark übergewichtig und als er die c’t herausholte, schrie in mir eine Stimme „Nooooooiiiiinnn!“.
Und ich? Ich bin die, die sich bei Zugfahrten nicht nur mit einer Sache bei Laune halten kann. Ich lese und höre nebenbei Musik. Wenn ich nicht mehr lesen mag, höre ich nur Musik. Manchmal schlafe ich, schaue einen Film oder blogge. Ab und zu gibt es ein Lebenszeichen via Twitter. Aber nur eine Sache, dass kann ich nicht. Meinesgleichen treffe ich nur selten, bisher hatte ich noch nie das Glück. Schade eigentlich, wir hätten bestimmt viele Gesprächsthemen.

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