BID-Kongress 2016

Tag 1

Hm. In CCL Leipzig hab ich immer einen kalten Nacken. Sehr unangenehm. Kann mal bitte jemand die Klimaanlage runterstellen? Vielleicht bin ich auch einfach nur gereizt, weil der Wecker schon um vier klingelte. Der Zug ging um halb sieben, nur so konnte ich noch einen Sparpreis ergattern.
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Mich trifft noch eine weitere Erkenntnis wie ein Schlag: ich möchte auf diesen Kongressen vielleicht andere Bibliotheksmenschen treffen, aber bitte nicht die aus meiner Einrichtung. Man umschleicht sich, nur ein kurzes „Hi“ oder „Guten Morgen“. Ich habe heute spontan an einem Vortrag über MOOCs teilgenommen. Eigentlich wollte ich eine Kollegin bei ihrem Vortrag über die Arbeit mit Raubgut unterstützen. Ich bin in den Vortragsraum rein und gleich wieder raus. Zu voll, oder so. Irgendeine Begründung habe ich mir eingeredet.

Nach diesem Schock dann habe ich mich für den Vortrag über MOOCs entschieden. Zum einen weil ich die Dozentin kenne, zum anderen, weil ich dachte, ‚Was für OPLs (One Person Libraries) gut ist, kann für mich nicht schlecht sein‘. Konkret war der Titel: Selbstlernen von OPLs mit Hilfe von MOOCs: Digital literacy, neue Vermittlungsformen und neue Technologien.

MOOCs sind Massive Open Online Courses; Ein Onlinekurs für viele Menschen, die gemeinsam, oder alleine lernen können. Im Vortrag ging es auch um Präsentationsmöglichkeiten. Die waren natürlich für mich besonders interessant.

Der Bibcast ist eine Konferenz vor der Konferenz. Eine Woche lang, direkt vor dem BID-Kongress, bestand für abgelehnte Vorträge die Möglichkeit, sie als Webcasts abzuhalten. So konnten 15 Vorträge trotzdem gehalten und auch für den späteren Genuss aufbewahrt werden.

MOOCs arbeiten mit Gamification. Ein kleines Belohnungssystem mit Badges oder ein Vergleich mit Kommilitonen über ein Punktesystem erzeugt einiges an Motivation.

 

Teaching Flipped oder auch Flipped Classroom beschreibt die Vorgehensweise, dass die Schüler oder Studenten das Lernmaterial im Vorfeld bekommen, sich das anschauen und dann in einer Präsenszeit das angelesene Wissen in Übungen umsetzten und da auch gleich Probleme in der Praxis ansprechen und vielleicht auch klären können.

Mit Nearpod hat sich mir eine neue Möglichkeit der Präsentation aufgetan. Man kann eine Präsentation komplett in Nearpod erstellen und zusätzlich mit Interaktiven Inhalten füllen. Die Präsentation kann man dann auf Geräte mit der Nearpod-App im W-Lan streamen. Zugang bekommen die Teilnehmer über einen Zugangscode vom Dozenten. Damit werden Konferenzräume und Beamer überflüssig. Sehr interessant, das werde ich mir noch näher anschauen!

Länger als drei Minuten und der Mensch schaltet ab. Das sollten sich einige Drehbuchautoren und Macher von Tutorials mal dringend zu Herzen nehmen!

Wenn man doch mal um ein längeres Video nicht herumkommt, bietet sich Zaption an. Damit kann man das Video interaktiv gestalten. Einfach mal eine Frage über das eben gezeigte einbauen. Zaption zieht die Videos beispielsweise aus Youtube und setzt einfach die Interaktion drüber. Das Ergebnis kann sich auch z. B. in Lernplattformen wie Moodle einbinden lassen.

Ein Tool fand ich noch sehr erwähnenswert in der Session: Moovely. Im Gegensatz zu PowToon nicht ganz so verspielt und auch für offizielle Präsentationen geeignet.

Nach einer kurzen Mittagspause auf dem Boden der Galerie im dritten Stock bin ich in die Veranstaltung Willkommenskultur – Grundlagen, habe mit einem Ohr zugehört (der Eindruck täuscht, es war wirklich interessant) und mit dem Rest meines Körpers diesen Bericht verfasst. Ich wusste, dass ich sonst nicht dazu kommen würde. Das war auch der Fall. Die letzten Zeilen zu diesem Tag wurden erst an Tag 2 verfasst. Nach dem Vortrag stand ich zwei Stunden im Foyer und habe mich mit Freunden unterhalten und für später verabredet. Abends ging es noch Essen und etwas Trinken. um 23 Uhr konnte ich endlich ins Bett fallen.


Tag 2

Später Start. Schlecht geschlafen. Zahnpasta zu Hause vergessen. Zahnbürste auch. Wenigstens war in dem kleinen Cafe das Frühstück super. Bei Aldi habe ich mir Verpflegung für die nächsten zwei Tage sowie Zahnbürste und -pasta besorgt.
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Beim Zukunftsgestalterpreis habe ich leider keinen Sitzplatz gefunden, ich war zu spät dran. Dafür habe ich dem studentischen Mitarbeiter der FH Potsdam die Spiegelreflexkamera erklärt, mit der er Fotos machen sollte. Ich kannte ihn ja von der Fernweiterbildung. Anschließend bin ich zu dem einzigen Vortrag, zu dem ich dienstlich geschickt wurde. Da wurde leider nichts erzählt, was ich nicht schon wusste. Aber: ich habe die Frau meines Chefs endlich mal persönlich kennengelernt 🙂

Meine große Session für diesen Tag war Perspektive Lernraum II, wo es tolle Denkanreize gab. Zuerst hörte mn den Vortrag Ernte Deine Stadt – Die Stadtbibliothek als Impulsgeber und aktiver Lern- und Erfahrungsort.

In der Stadtbibliothek Tiergarten-Süd entsteht gerade ein Informationszentrum zum Thema Urbanes Gärtnern. Hier gibt es auch eine Leih-Sämerei. Dort können sich Hobbygärtner Saatgut „ausleihen“ und dann nach der Ernte zurückbringen.

Makerspaces sond Orte, an denen man Dinge einfach mal ausprobieren kann und wo die Community bei Fragen auch mal weiterhilft. Genauso läuft es in vielen Urbanen Gärten ab.

Die Stadtbibliothek Bad Oldesloe hat im vergangenen Jahr einen Aktionstag unter dem Motto „Ernte deine Stadt“ gemacht. Dabei wurde unter anderem auch der Veranstaltungsraum zum Makerspace. Dort wurden Pflanzentöpfe bestückt, altes Saatgut angeboten und Samenbomben gebastelt.

Wir können immer noch von unseren älteren Mitmenschen lernen. Man muss ja nicht in jeder Generation die gleichen Fehler machen 😉

Aus Bad Oldesloe wurde berichtet, dass die Samenbomben später in der ganzen Stadt zu finden waren. Zum Glück stand aber jemand aus den oberen Etagen in dieser Situation zu ihnen und dem Projekt

Der zweite Vortrag der Session hieß Flexible Lernräume in Hochschulen – Perspektiven für wissenschaftliche Bibliotheken. Dort wurde von dem erst kürzlich umgestalteten Lernraum der Hochschule der Medien in Stuttgart berichtet. Es wurden nach dem Umbau nochmal Umfragen gemacht, die Nachbesserungsbedarf aufzeigten.

Danach lief im gleichen Raum die Session Serviceleistungen neu ausrichten. Da habe ich mir nur einen Beitrag anhören können, danach war ich nicht mehr aufnahmefähig. Anne Christensen referierte über die Zukunft der Benutzungsabteilung in Universitätsbibliotheken. Der Vortrag war eine angenehmen Mischung aus Erfahrungsbericht, Umfragewerten, Statistiken, Analyse und Zukunftsausblick.

Wenn Nutzer immer nur mit Maschinen zu tun haben, wie sollen sie dann eine emotionale Bindung zur BIbliothek aufbauen?

In der Wissensbar der SLUB Dresden können Nutzer auch Fragen außeralb des Bibliothekarischen Kontextes anbringen. Die Beratung dauert ca. 30 Min. und ist kostenlos.

 

Der Abend war zum Glück schon halb geplant. Ein kurzer Zwischenstopp im Elektrofachhandel für einen Freund. Fast hätte ich bei den Ferngesteuerten Minimodellautos zugeschlagen. Die waren aber auch zu verlockend!

Anschließend sind wir in die Leos Brasserie, ein Restaurant, das ich allen Leipzig-Besuchern nur empfehlen kann. Ich habe den Burger des Hauses gehabt (Pulled Pork, mit Kartoffelwedges), ein großes Radler und ein White Russian. Ich war richtig gut satt und habe 17.50€ bezahlt. In Berlin muss ich so ein Restaurant erstmal ne Weile suchen.
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Tag 3

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Ich gebe meinem Körper, was er braucht. So vermeide ich, dass er es sich irgendwann einfach nimmt. In meinem Fall ist das Schlaf. Also wieder spät raus. Bevor ich das Haus verlasse, noch einmal Milch mit Kaffee und die Klamotten in ein anderes Zimmer. Heute Nachmittag kommt ein weiterer Gast zu meiner Airbnb-Gastgeberin. Sie wollte die Dame nicht ablehnen, da sie schon letztes Jahr zu Buchmesse da war. So bekomme ich eine Nacht umsonst. Die Gastgeberin schläft bei ihrem Freund, ich in ihrem Hochbett. Ich darf heute Abend also nicht so viel Alkohol trinken. Lieber nichts riskieren.

Der neue Gast ist Autorin. Meine Gastgeberin druckste etwas bei der Beschreibung rum, drückte mir ein Buch der Dame in die Hand und meinte, dass sie in echt ja ganz anders sei, als es in diesem Buch rüberkommt. Ich habe heute früh mal gegoogelt. Ja, wenn man keinen Fernseher zu Hause hat und stattdessen nur Kunstbücher und eine kleine Sammlung Poesie, von der ich die Finger lasse, weil es mir zu hoch ist, können Romane im Rosamunde-Pilcher-Style etwas befremdlich wirken. Das kann ich verstehen.
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Im Kongesszentrum angekommen, kommt doch so langsam der Hunger. Ich hab ja noch Salat und Brötchen im Rucksack. Aber wo in Ruhe essen?

Zum Glück ist der Seminarraum, in dem der nächste für mich interessante Vortrag stattfindet, noch leer. Also ab in die hinterste Reihe und Omnomnom.
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Es war ein Vortrag der FH Potsdam über ihre Projekte, Kooperationspartner und das neue Lehrpersonal. Bin ja da in der fernweiterbildung mit drin. Wurde auch einmal an Anschauungsobjekt zum Aufstehen und zeigen aufgefordert. Zeitgleich lief ein anderer interessanter Vortrag zu Makerspaces.
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Von Freunden hab ich dann dieses Vortragsgoodie bekommen, ein kleiner Makerspace für zu Hause 🙂

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Eigentlich wollte ich zu einer Session über Kommunikationsstrategien. Daraus wurde nichts, da der mindestens Raum doppelt so groß hätte sein müssen, um all die interessierten Menschen zu fassen, die da rein wollten. Und ich war zu spät dran. Schade.

So habe ich mich endlich mal in eine der Workbays von Vitra im Erdgeschoss verkriechen können. Dort lagen auch einige Kataloge, die Ich mir zu Gemüte geführt habe. Etwas neidisch war ich schon. Vor allem auf die Beispiele, die in einem Katalog, der Kunden der Firma dokumentierte. Wenn da ganze Büros oder Schulungsräume mit den Stühlen ausgestattet sind, die ~300€/Stück kosten und von denen sich die Herzensdame unbedingt einen wünscht.

Nebenbei habe ich noch einen netten Herrn mit Strom für seine Kamera versorgt (die Workbays hatten zwar integrierte Steckdosen, diese waren allerdings ohne Saft).

Bei der Session Bibliotheksräume aktuell. Neue Bibliotheksbauten im Gespräch war eine kurze Vorstellung von drei deutschen Neu- und Umbauprojekten sowie eine Übersicht amerikanischer Projekte und eine Podiumsdiskussion angesetzt. Man konnte Anmerkungen und Fragen per Twitter oder mit Zettel und Papier machen.

Wenn man merkt, dass die vorgeplanten Sitzplätze nicht reichen, wird man schnell kreativ. Und wenn einem das Geld für große Umbauten gestrichen wird.

Auch hier wären eine Menge Sachen dem Sparzwang zum Opfer gefallen, wenn man sich nicht auf eine Zusammenarbeit mit dem Instituten der Uni zusammengetan hätte.

Das nennt man dann wohl Galgenhumor.

Es muss nicht immer ein toller, farbiger Teppich sein. Die Bücher auch mit ihrer optischen Wirkung hervorzuheben ist ein gutes Mittel zur Raumgestaltung.

Bei fast allen Um- und Neubauten wird auf Offenheit und eine große Arbeitsplatzzahl gesetzt.

Von 500 auf knapp 1000 ist eine Hausnummer 🙂 Vor allem, da hier nur mit begrenztem Platz gearbeitet werden konnte. Die UB ist in der Innenstadt Heidelbergs angesiedelt.

Wenn man schon mal dabei ist, warum nicht gleich noch mehr machen? Wenn das Geld da ist…

Sogar bei uns daheim haben wir darüber nachgedacht. Aber diese mit Lampen übersähten Decken haben ein wichtigen Grund: die Akustik. Solche Deckeninstallationen schlucken eine Menge Lärm. Auch Bodenbelag wird oft nach seiner Fähigkeit Lärm zu schlucken ausgesucht.

Wenn man einen Raum offen gestalten will aber auf Wände nicht so ganz verzichten mag (gerade um Arbeitsplätze und Schulungsräume zu verpacken), wird oft auf Glaswände gesetzt.Hier wurden immer ein oder zwei komplett einfarbige Scheiben genutzt. In Kombination mit ebenfalls jeweils einfarbigen Möbeln (alles in Spektralfarben) werden so farbige Akzente gesetzt, an denen man sich ggf. auch mal als Externer orientieren kann.

Dem KIM in Konstanz mangelt es aufgrund der zentralen Lage innerhalb eines Gebäudes an externen Lichtquellen. So wurden neue Lichtquellen sogar extra angefertigt. Wenn die dann nicht nur gut aussehen, sondern auch noch was für die Akustik tun, sind sie großartig.

Ich weiß schon, dass ich Ende des Jahres ein Modul in der Fernweiterbildung bekomme, bei dem ich eine Bibliothek planen soll. Das werde ich da auf jedem Fall mit beachten!

Nach dieser Session war der Tag im CCL rum. Ich bin in die Stadt, ein bisschen bummeln, Abendessen organisieren. Dann in die Unterkunft, abschalten, den Tag verdauen.


Tag 4

Naja, es ist Tag 4, ich habe meine erste Nacht in einem richtigen Hochbett überlebt, meinen Blogbericht hier zu Ende geschrieben, meine Sachen gepackt, Kaffee getrungen (ganz wichtig!), fahre gleich zur Messe. Ich weigere mich ja, in Sessions zu gehen, die mich nicht interessieren, nur um da zu sein. Ob ich nun dort sitze und schreibe oder woanders…

Heute Nachmittag geht es heim. Ich freu mich drauf. Und vielleicht sehen wir uns ja nächstes Jahr in Frankfurt/Main.

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