Kommentar: Teilnehmerbefragung zum Bibliothekartag

Die Organisation des Bibliothekartages (BIB und VDB) hat die Bibliothekartagsteilnehmer um ein Feedback zur Tagung gebeten. Neben einem Wertesystem konnte man ganz am Ende, wie so oft üblich, einen kleinen eigenen Text verfassen, was man selbst noch an Verbesserungsvorschlägen hat.

Hier ist meiner:

Die Firmenvertreter sollten sich mehr um Kunden bemühen und auf sie zugehen. Nur weil ich aussehe wie ein Student, bin ich noch längst keiner. Und auch FaMIs können Entscheidungsgewalten in Bibliotheken haben oder zumindest Anschaffungsentscheidungen begünstigen. Ich fühle mich einfach generell als FaMI auf dem Bibliothekartag nicht angenommen. Schade, denn der Bibliotheksbranche fehlt dadurch auf solchen Tagungen der frische Wind. Es gibt zwar vereinzelt Vertreter der Informationsgesellschaft des 21. Jahrhunderts, aber die werden eher als Alien behandelt. Dadurch wirkt es, als ob die restlichen Teilnehmer, bitte verzeihen Sie mir die Ausdrucksweise, einen ziemlich großen Stock im Arsch haben. Ich habe viele KollegInnen, die gerne von mir lernen, so wie ich gerne von ihnen lerne. Aber aus den oben genannten Gründen besuchen sie solche Tagungen nicht, auch wenn sie studierte Bibliothekare der alten Schule sind.
Zudem sollten Sie ihre Preispolitik überdenken. Auch der höhere Dienst hat immer mehr Ab- und Ausgaben. Finanzieren Sie sich lieber über die Masse. Das macht die ganze Veranstaltung auch sympathischer und senkt den Altersdurchschnitt.
Im Moment verschrecken Sie vor Allem die „Jugend“ in der Branche und irgendwann verliert die ältere Generation dadurch den Anschluss. Die Welt dreht sich weiter, egal an welchen antiquierten Werten sie festhalten.

 

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    • Mira
    • 27. Mai 2012

    Also ich finde es gut, dass die Aussteller einen nicht sofort anquatschen wenn man durch die Hallen schreitet, sondern dass man sich auch einfach mal in Ruhe umschauen kann. Wenn man eine Frage hat, ist eigentlich auch immer jemand da der darauf reagiert, so zumindest meine Erfahrung. Naja und wenn man nicht als Student wahrgenommen werden will, sollte man sich halt für einen Kongress entsprechend auch kleiden, dann wird man auch ernst genommen!
    Ich finde auch nicht, dass nur die ‚älteren‘ Bibliothekare hier sind. Ich zähle mich auch noch zur jüngeren Generation (ich bin unter 30) und habe bereits als Studentin angefangen auf Bibliothekartage zu gehen. Dies war auch immer sehr kostengünstig, soweit ich mich erinnere zahlte ich immer so um die 20 Euro. Nun bin ich mittlerweile berufstätig und finde den Preis von 110 Euro (als Bib-Mitglied) völlig in Ordnung. Verglichen mit Kongressen anderer Branchen (da sind es pro Tag schon mal 200 Euro) ist das echt ein Witz! Und wenn du dir das Ticket sparen willst, dann reiche doch einfach mal einen Vortrag ein, wenn der angenommen wird, zahlst du als Referent nämlich keinen Eintritt!
    Zudem hatte ich während meiner Zeit als Fami nie das Gefühl als minderwertig wahrgenommen zu werden. Ich war zwar in dieser Zeit nie auf einen Bib.-Tag aber auch auf anderen Fortbildungen war immer ein gleichberechtigtes Miteinander möglich. Wobei da viel an einem selber liegt und inwiefern man dieses „Klassen-Denken“ mitträgt.
    Ob Famis wirklich „frischen Wind“ ins Bibliothekswesen bringen, wage ich ehrlich gesagt auch zu bezweifeln. Die meisten Famis die ich kenne machen ihren Job und gehen dann nach Hause. Die Veränderungsbereitschaft ist dabei dementsprechend gering!

    • Ich soll mich entsprechend kleiden? Damit ich deiner Vorstellung von „entsprechender Kleidung“ nahe kommen möchte, müsste ich besagte wahrscheinlich erst einmal kaufen gehen. 
      Ich frage mich halt auch, warum es den von dir beschriebenen Umstand gibt, dass Studenten weit weniger zahlen als die restlichen Besucher. Werden die Studenten subventioniert oder ist es möglich, für alle Besucher einen niedrigeren Preis zu veranschlagen. Wofür wird das Geld ausgegeben, das würde mich auch mal interessieren. Miete usw. ist mir ja klar als Kostenpunkt, aber darüber eine Aufschlüsselung zu haben wäre mal toll.
      Wenn du von anderen Branchen sprichst, ist die Frage, welche Zielgruppe dort anvisiert wird.
      Dass man als Referent keinen Eintritt zahlt weiß ich, aber das gilt nur für den Vortragstag. Zudem musst du den ganzen Block, in dem dein Vortrag eingeplant ist, im Raum bleiben. Dann hast du bestenfalls noch zwei Blöcke, in denen du andere Vorträge hören kannst. Blöd ist auch, wenn du dich für Vorträge an mehreren Tagen interessierst.
      Ich fühle mich nicht als minderwertig wahrgenommen, sondern teilweise gar nicht als Tagungspublikum auf dem Schirm der Organisatoren und vieler anderer Besucher. Das ist ein kleiner, aber feiner Unterschied. Wenn sich die meisten Leute ernsthaft ein paar Sätze mit mir unterhalten, bin ich mit ihnen oft auch auf einer Ebene. Dann ist es egal, ob ich jemanden aus meinem Ausbildungsjahrgang vor mir hab oder meinen Chef. In diesen Gesprächen suche ich gerne Rat und gebe auch welchen, wenn ich kann. Ich muss aber auch dazu sagen, dass ich viel Glück mit meinem Arbeitsumfeld habe.
      Diese geringe Veränderungsbereitschaft bei den meisten FaMIs, die du ansprichst, ist oft eine Folge der geringen Aufstiegschancen, die man uns während der Ausbildung oft vorhält. Viele verlieren dann bereits den Willen, sich noch weiter auf diesem Gebiet zu engagieren. Ich kann sie verstehen.

  1. Ich würde gerne mal was zum Thema Kosten beim Bibliothekartag sagen. Der Bibliothekartag wird maßgeblich von den Berufsverbänden VDB und BIB organisiert. Deshalb müssen auch die Kosten von den Verbänden und den Teilnehmern getragen werden. Wenn man sich überlegt, welche Größenordnung der Bibliothekartag mittlerweile über die Jahre angenommen hat (in Hamburg waren es über 4000 Teilnehmer!), kann man sich vorstellen welcher finanzielle und logistische Aufwand hinter einer solchen Kongressorganisation steckt. Es gibt auch immer eine Kongressfirma die im Hintergrund agiert. Diese muss meines Wissens auch bezahlt werden. Ich hörte in der Mitgliederversammlung des Berufsverbands, dass z.B. für dauerhaftes WLAN auch hohe Gebühren nötig sind. Als Mitglied eines Berufsverbands bezahlt man mit dem Frühbucherrabatt sogar noch unter 100 € für eine Dauerkarte. Wenn man sich durchrechnet, was man als Jahresbeitrag beim BIB oder VDB zahlt und wieviel man als Nichtmitglied auf dem Bibliothekartag zahlen würde, kommt man schnell zu dem Schluß, dass sich eine Mitgliedschaft lohnt. Es gibt sogar eine Staffelung je nach Eingruppierung:
    http://www.bib-info.de/mitgliedschaft/mitgliedsbeitraege.html
    Ich bezahle für das gesamte Jahr 50 € und bekomme auch noch jeden Monat das BuB (Buch und Bibliothek)-Heft nachhause geschickt. Zusätzlich bekommt man auch Rabatte für andere Fortbildungsveranstaltungen der jeweiligen Landesgruppe.

    „Es gibt zwar vereinzelt Vertreter der Informationsgesellschaft des 21. Jahrhunderts, aber die werden eher als Alien behandelt.“ Das ist meiner Meinung nach eine subjektive Wahrnehmung. Ich habe den Eindruck, dass die Bibliotheksmitarbeiter, die aufgrund von eigenem Engagement zum Bibliothekartag fahren, schon die moderneren und interessierten der Berufsbranche sind. Leider ist mir aufgefallen, dass es immer wieder dieselben Kolleginnen und Kollegen sind, die zum Bibliothekartag fahren. Einige fahren nicht, weil sie die Fortbildung „nicht mehr wie früher“ vom Arbeitgeber bezahlt bekommen. Sicherlich täte dem Bibliothekartag auch ein zusätzliches, neues Veranstaltungsformat gut. Dies gab es ja erstmals mit dem Barcamp. Vielleicht sollte sowas in Zukunft ausgebaut werden, um mehr junges Publikum zu begeistern. Sicherlich ist eine Teilnahme immer mit finanziellem Aufwand verbunden (u.a. Unterbringung), aber man kann das auch entsprechend frühzeitig organisieren und sich z.B. mit Kollegen eine Ferienwohnung mieten, was ich z.B. damals in Erfurt getan habe, als ich noch Azubine war.

    • Ich denke, ein wesentliches Problem bei der Kostenpolitik ist, dass eine genaue Aufschlüsselung nie nach außen getragen wird. So fragen sich sicherlich viele, wie ein, wie von mir bereits angesprochener, enormer Preisunterschied zwischen Studenten und allen anderen entstehen kann. Dass man mit einer Mitgliedschaft günstiger bei wegkommt, ist mir bewusst, aber die ganzen Vergünstigungen, die du ansprichst, würde ich aus Zeitmangel gar nicht wahrnehmen, das Heft lese ich nicht mal, wenn ich es umsonst bekomme und nur für ein paar Euro beim Bibliothekartag trete ich in keinen Berufsverband ein. Da sträubt sich was in mir drin, frag mich bitte nicht, was.

      „Ich habe den Eindruck, dass die Bibliotheksmitarbeiter, die aufgrund von eigenem Engagement zum Bibliothekartag fahren, schon die moderneren und interessierten der Berufsbranche sind.“ – Ich finde genau diesen Umstand etwas traurig. Vielleicht denke ich in einem zu großem Rahmen, aber es steckt so viel Potenzial in unserer Branche, da sollte eine Teilnahme an der „größten Tagung und zentralen Fortbildungsveranstaltung von nationalen und internationalen Interessenvertretungen der im Bibliothekswesen Beschäftigten“ eher zum Standard gehören. Nach oben sind keine Grenzen gesetzt.

      „Dies gab es ja erstmals mit dem BarCamp. Vielleicht sollte sowas in Zukunft ausgebaut werden, um mehr junges Publikum zu begeistern.“ – Um junges Publikum zu begeistern, darf man aber kein BarCamp innerhalb einer geschlossenen und zahlungspflichtigen Veranstaltung machen. Das schreckt ab und funktioniert nur mäßig. Die Resonanz war auch nicht sonderlich groß, einige haben die Veranstaltung absichtlich boykottiert. Und wenn wir das BarCamp auslagern, es ein richtiges BarCamp sein lassen, dann wird es zum BibCamp . Eine Veranstaltung, die im Jahr 2013 zum sechsten Mal eine „Kommunikationsplattform für einen Erfahrungsaustausch im Bereich Bibliotheken und wissenschaftliche Kommunikation“ sein will und dies meines Wissens nach auch schafft. Ich selbst hatte zwar noch nicht die Gelegenheit dabei zu sein, aber das soll sich ändern.

  2. Naja, es wird sicherlich davon ausgegangen, dass Studenten und Azubis gar nicht so hohe Teilnehmergebühren zahlen können. Dass sich viele FaMIs das auch nicht gut leisten können bei den größtenteils durchschnittlichen Eingruppierungen, ist ne ganz andere Frage. Anderseits kenne ich auch wenige, die wirklich Interesse am Bibliothekartag haben und einen Mehrwert sehen, obwohl es soviel interessante Vorträge u.ä. gibt . Das Bibcamp klang für mich auch erlebenswert, jedoch bin ich nur bisher nie dazu gekommen daran teilzunehmen, da es terminlich meist nicht passte und ich keinen kannte, der dort hinfährt. Vielleicht schaffen wir es im nächsten Jahr. Nürnberg liegt leider auch nicht grad um die Ecke.

  3. Habe gerade den Link zum letzten Bibcamp-Wiki entdeckt. Klingt wirklich interessant:

    http://bibcamp.pbworks.com/w/page/52050581/Nachlese%20zum%20BibCamp%202012Wiki

    Ich frage mich nur, ob die Uni eine Freistellung (in Form von Sonderurlaub oder was auch immer) fürs Bibcamp auch unterstützen würde.

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