Bibliothekartag 2011 – 2. Tag

Ein sehr anstrengender zweiter Tag unter Bibliothekaren geht für mich gerade zu Ende und ich resümiere jetzt mal gerne am Netbook alles, was so passiert ist.

Heute war kein normaler Tagungstag für mich. Heute hatte ich den ganzen Tag, von 8 bis 18 Uhr, Saalbetreuung auf dem Plan stehen. Genauer habe ich den Saal Straßbourg betreut. Saalbetreuung heißt: Wasser bereitstellen, Namensschilder aufstellen, Moderatoren und Referenten begrüßen, Präsentationen aufrufen, kleinere technische Probleme lösen, Handmikrophon rumreichen, das Publikum überwachen und die Kommunikation zwischen Techniker und Redner regeln.

Der Stress holte mich heute sogar noch vor Dienstbeginn ein. Ich bin blöderweise in die falsche Bahn gestiegen, bzw. zu spät ausgestiegen, was zur Folge hatte dass ich vom S-Bahnhof „Köllnische Heide“ die Sonnenallee zum Estrel runterlaufen musste. zum Glück war ich trotzdem Pünktlich und hatte alle Zeit der Welt um alles für die erste Vortragsreihe vorzubereiten. Nebenbei hab ich noch erfahren, dass es für die letzte Veranstaltung an dem Tag eine Raumänderung gibt, aber das war ja noch weit weg, so dass ich mir darüber noch keine Gedanken machen wollte. Dazu bin ich die nächsten Stunden auch nicht gekommen. Der erste Vortrag behandelte das Thema „Junge Führungskräfte“, auf das auch ich mich schon gefreut hatte, da es mich auch interessiert. Blöderweise musste ich die erste halbe Stunde der Veranstaltung vor der Tür verbringen und die Menschen davon abhalten, in den total überfüllten Saal einzufallen. Btw: Ich glaube nicht, das jemand nur für DIESE Veranstaltung extra aus Kassel oder sonst woher angereist ist. Das wäre echt traurig. Und ich ärgere mich immer noch über die junge Dame  mit dem schönen Statement „meine Freundin hat darin extra einen Platz für mich freigehalten“, die dann wirklich von der besagten Freundin an der Eingangstür abgeholt wurde, weil ich sie partout nicht reinlassen wollte. Am liebsten hätte ich ihr ja an den Kopf geschmissen „Wie, deine Freundin hält einen Platz für dich junges Ding frei während solche Leute wie die gestandene Bibliothekarin dort hinten stehen müssen? Wie asozial ist das denn?“ – glücklicherweise habe ich es nicht gemacht und sogar hinterher noch ein Lob für meine Standhaftigkeit von meiner zukünftigen Chefin erhalten 😀 (sie und meine ehemalige Ausbildungsleiterin waren rechtzeitig anwesend und konnten sich so noch ein Fleckchen Teppichboden sichern).

Nachdem dieser Alptraum überstanden war, folgte eine thematisch kunterbunte Veranstaltung (b.i.t.online Innovationspreis), bei auch die drei Referenten (die drei Preisträger)  sehr unterschiedlich waren. Zum einen gab es den „Unscheinbaren“ (Ralf Drechsler), der seinen Vortrag (zum Thema „Krisenmanagement“) gut und flüssig rüberbrachte und auch den Anschein machte, als wüsste er, wovon er spricht. Der zweite Preisträger (Fabian Fürste) hat über die mögliche Vernetzung von Bibliothekskataloginhalten mit anderen Diensten gesprochen, glaube ich. Er war sehr aufs technische fixiert (der „Geek“), was es mir schwer gemacht hat, ihm zu folgen. Mehr bedauerlich als lustig fand ich dabei auch, dass er teilweise nicht mal mehr wusste, was er in die Powerpoint gepackt hatte. Der dritte Preisträger (Hans-Bodo Pohla) war mir am sympatischten (der „Entertainer“), was vielleicht auch daran lag, dass er ein Thema hatte, was mich wirklich interessierte (bibliothekarische Apps für ALLE Smartphonebetriebssysteme). Der Zulauf an Zuschauern war hier übrigens nicht ganz so extrem, aber dennoch musste ein paar Leute auf dem Boden sitzen.

In meiner recht kurzen Mittagspause habe ich mir dann eher zweckmäßiges als gesundes Essen an der Snackbar geholt:

Anschließend gings auch schon mit der nächsten Vortragsreihe weiter („Private Hochschulbibliotheken zeigen Gesicht!“) bei der die meisten Vortragenden für meinen Geschmack leider viel zu sehr auf Ihre Hochschule eingegangen anstatt auf die Bibliothek, die sie leiten. Der einzige, der von diesem Muster ganz bewusst abwich, war der Leiter der Bibliothek der Bucerius Law School Hamburg. Der Saal war übrigens nicht mal zu 50% gefüllt.

Die letzte Veranstaltung war eine der wenigen, die kurzfristig eine Raumänderung erhalten hatten, welche für das große Programmheft zu spät kam, aber online bereits korrekt angezeigt wurde. Zur Sicherheit hatte ich das aber auch noch mal getwitter, in der Hoffnung wenigstens ein oder zwei Leute direkt in den richtigen Raum zu schicken. So kam nun nicht die Arbeitssitzung der AG der privaten Hochschulbibliotheken, sondern eine Veranstaltung zum Thema „Informationskompetenz als Motor der Zusammenarbeit von Bibliothek und Schule“. So viel sei dazu gesagt: Zuletzt habe ich das Wort Informationskompetenz in einer solchen Häufigkeit in der Berufsschule gehört. Geschädigte wissen, wovon ich rede. Ich fand diese Vorträge nicht sonderlich interessant, bis auf die beiden am Anfang von den beiden Amerikanerinnen und den zwei Deutschen, die in den USA waren. Der Vortrag von Mario Hütte mit dem Thema „Schulen und Hochschulen als Partner bei der Vermittlung von Informationskompetenz“ hatte zwar ein gutes Thema, aber leider waren die Folien zu vollgepackt, der Vortrag zu lang, die Augen zu oft auf dem eigenen Ausdruck der Präsentation und die Stimme zu monoton. Wäre all das nicht gewesen, hätte ich sicherlich mehr beim Vortrag von Andreas Klingenberg zugehört, der sehr schön und übersichtlich über das Thema „Entwurf eines gemeinsamen Referenzrahmens Informationskompetenz“ referiert hat. Denn da kann ich, dank eines entsprechend ausgerichteten Berufsschulunterrichts in der Ausbildungszeit mitreden.

Um kurz nach sechs Uhr abends konnte ich dann der Organisation erleichtert mitteilen, dass der Saal Straßbourg soeben seine letzte Veranstaltung des Tages beendet hatte. Im Anschluß lernte ich dann dank Dörte noch einige weitere Twitterer kennen (u.a. xenzen und lambo), wurde anhand meiner extra angefertigten Erkennungskleidung erkannt, die somit ihren Zweck erfüllt hatte und jemand (xenzen) konnte meinem Namen sogar direkt von mir geschriebenen Tweet-content wiedergeben und hat diesen auch befürwortet. Dabei ging es übrigens darum, dass ich Menschen, von denen ich weiß dass sie twittern grundsätzlich duze.

Und noch etwas „Nebenbeiwissen“ hinterher: Die Leute in den roten Westen, die sich in den Sälen, am Counter und an der Eingangskontrolle befinden sind entweder Studenten aus dem bibliothekarischen Bereich, Azubis zum FaMI, fertig ausgebildete FaMIs oder sonstige Angestellte aus dem Bibliotheksbereich. Es handelt sich hierbei um die bereits in vorherigen Posts erwähnten freiwilligen Helfer, die im Gegenzug kostenlosen Zugang zu gesamten Tagung erhalten und zu denen ich auch gehöre.

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    • Fabian Fürste
    • 9. August 2011

    Hi, na endlich mal ein bißchen Feedback 🙂 Mein Vortrag auf dem Bibliothekartag war in der Tat nicht gerade optimal und es tut mir leid, wenn viele Aspekte des Themas „Linked Open Library Data“ dabei nicht gerade verständlich waren. Ich fands auch nicht optimal, vielleicht zwei erklärende Dinge dazu:

    1. hatte ich im Mai erst einen neuen Job angetreten und darunter hat offensichtlich die Vorbereitung gelitten

    2. war es schwierig, eine eindeutige Zielgruppe für den Vortrag auszuloten, da zeitgleich der praxisorientierte Vortrag der UB Mannheim zum Thema stattfand und nur 20 Minuten für dieses breite Thema zur Verfügung standen

    Beste Grüße aus Berlin!
    der „Geek“ 🙂

    • Oh man, jetzt kommt die Schattenseite eines Blogs zum Vorschein. Na toll. Die Leute über die ich schreibe melden sich zu Wort. Aaaaaaaahhhh!!!! 😀
      Na ja, ich muss ja auch gestehen, dass ich nur zur Hälfte freiwillig anwesend war. Wahrscheinlich hat dieser Umstand ziemlich viel Einfluss auf den Artikel gehabt. Zudem war es nicht ganz das Thema, auf das ich mich in diesen Tagen fixiert hatte. Nimm es daher bitte nicht ganz so schwer, ja?

      Liebe Grüße von der Quenglerin aus Berlin

    • Fabian Fürste
    • 11. August 2011

    Ich finde Kritik ja sehr erfrischend. Daher alles gut hier! 🙂 Auch Grüße aus Berlin!

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